Gemeinde

Gemeinden laden ein

 

Die zehn Solinger Evangelischen Kirchengemeinden bilden gemeinsam den Evangelischen Kirchenkreis Solingen. Der gehört mit 37 anderen zur Evangelischen Kirche im Rheinland, die insgesamt 2,65 Millionen Mitglieder hat. Das Gemeindeleben in den zehn Gemeinden ist unterschiedlich und vielfältig, mit verschiedenen Schwerpunkten in der Jugend- und Bildungsarbeit, in der Begleitung von älteren Menschen, in der Diakonie und manchem anderen. Ein Schwerpunkt ist in Solingen sicher die Kirchenmusik. Gerade in den relativ gut besuchten Gottesdiensten ist das spürbar. Unterschiedliche Formen, unterschiedliche musikalische Gestaltung der Gottesdienste sollen dabei auch helfen, möglichst viele Menschen anzusprechen.

Die Absicht, viele zu erreichen, hat ihren Grund einmal in biblischen Aussagen, etwa der aus dem Galaterbrief. Der Apostel Paulus* hat Mitte der 50er Jahre nach der Geburt Christi diesen Brief geschrieben. Anlass waren Auseinandersetzungen in von ihm gegründeten Gemeinden. Paulus versucht die Vorstellung stark zu machen, dass auch unterschiedliche Formen christlichen Glaubens möglich sind und eine gegenseitige Anerkennung sich geradezu zwingend ergibt, denn: Alle sind Kinder Gottes, verbunden im Glauben nicht nur untereinander, sondern auch mit Jesus Christus.

Gerade in der Reformationszeit wurde das wieder wichtig: dass möglichst viele Glaubende biblische Texte hören, verstehen, auf ihr Leben beziehen und miteinander verbunden sind. Der Gottesdienst mit Lesungen und Predigt muss deshalb in deutscher Sprache gehalten werden; und im Teilen von Brot und Wein im Abendmahl für alle zeigt sich die Gemeinschaft der Heiligen miteinander und vor allem mit Jesus Christus. Wo das so ist, wo also „das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden“, da ist christliche Kirche, da lebt die Versammlung aller Glaubenden. So wurde es 1530 in Artikel VII des Augsburger Bekenntnis* formuliert und gilt seither für alle Evangelischen.

Zwar ist der Gottesdienstbesuch in Solingen relativ stabil geblieben. Aber auch hier treten Menschen aus der evangelischen Kirche aus. Das hat viele Gründe, angefangen beim Geld, vielleicht auch weil sie sich geärgert haben oder weil sie der christliche Glaube nicht mehr interessiert oder sie ihn ablehnen. Das ist eine Herausforderung für alle Solinger Gemeinden: Leben sie so vielfältig und so profiliert, dass immer wieder Menschen angesprochen werden? Können sie ihren Glauben so verständlich kommunizieren, dass andere ihn verstehen und auf ihr Leben beziehen können? Suchen sie das Gespräch mit Menschen, in deren Leben Kirche und Glaube keinen Platz mehr hat?

 

*Martin Luther (Reformator)

Mit Martin Luther (*10.11.1483 in Eisleben, gest. 18.2.1546 in Eisleben) begann die Reformation in Deutschland. Zuerst Augustiner-Mönch und Theologieprofessor, entdeckte er neu, dass die Glaubenden von Gottes Gnade leben und nicht vermittelt durch Abgaben und Bußübungen. 1517 setzte er sich mit seinen 95 Thesen mit dieser – seiner Meinung nach: – falschen Praxis der Kirche auseinander.

Seine Theologie dachte er von Leben und Werk Jesu Christi ausgehend. Weil der für uns „gnug getan“ hat vor Gott, bedarf es der ganzen Bussübungen und Opfer nicht mehr. Und alle Glaubenden sind gleich vor Gott: Priester wie Laien, Frauen wie Männer. Auch deshalb übersetzte er die Bibel ins Deutsche, damit alle sie lesen konnten. Auch deshalb wendete er sich gegen die kirchliche Hierarchie.

In vielen theologischen Aufsätzen und Kampfschriften setzte er sich mit der Kirche seiner Zeit auseinander, immer im Bemühen, seine Kirche zu erneuern, zu reformieren. Entgegen seiner Absicht brach die Kirche dennoch auseinander, in die römisch-katholische, in die lutherische und andere evangelische (protestantische) Kirchen.

Informationen zu Martin Luther finden sich z.B. ausgehend vom Angebot der Stadt Wittenberg: 500 Jahre Reformation – Martin Luther, Link: http://www.luther.de/

 

*Apostel Paulus

Das griechische Wort apostolos bedeutet so viel wie Gesandter. Im biblischen Zusammenhang werden damit die Menschen bezeichnet, die von Gott den Auftrag bekommen haben, in seinem Namen Menschen anzusprechen und für den Glauben an Gott zu gewinnen (=Missionare).

Der Apostel Paulus gilt als der erste Missionar des Urchristentums, der sich an nichtjüdische Menschen wendet. Auf ihn gehen Gemeindegründungen im ganzen östlichen Mittelmeerraum zurück. Im Neuen Testament der Bibel finden sich viele Briefe, die er an die von ihm gegründeten Gemeinden geschrieben hat.

 

*Augsburger Bekenntnis

Das Augsburger Bekenntnis wurde geschrieben und 1530 veröffentlicht, um den lutherischen Glauben vor allem nach Außen, gegenüber Kaiser Karl V., zu beschreiben. Zugleich sollte es dazu dienen, mit der römisch-katholischen Kirche ins Gespräch zu kommen. Wenngleich eine Verständigung über den christlichen Glauben nicht gelang, ist es bis heute eine Basiserklärung für die lutherischen Christen nicht nur in Deutschland.

Den Text des Augsburger Bekenntnisses stellt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf ihrer Website bereit: https://www.ekd.de/glauben/grundlagen/augsburger_bekenntnis.html

25.03.2017 Th. Förster/J. Schmidt/I. Werner