Einheit

Eine katholische Kirche

 

Angeblich ist der ehemalige Kölner Erzbischof Kardinal Meißner einmal gefragt worden, warum er nicht in die evangelische Kirche eintrete. Er soll geantwortet haben: In welche denn? Er hat damit auf etwas aufmerksam gemacht, was aus Sicht der römischkatholischen Kirche ein sehr großes Problem ist: die Zersplitterung bzw. die Trennung der Kirche. Andere sagen heute etwa: „Das versteht doch kein Mensch: evangelisch*, katholisch. Und dann erst lutherisch, reformiert, uniert*!“ Auch in Solingen kann man im übrigen diesen Prägungen begegnen und vielen anderen dazu.

Für die ersten, im ganzen Mittelmeerraum verstreuten Christengemeinden ging es bei „Einheit“ wesentlich um ihre innere Einheit. Aus ganz unterschiedlichen Milieus kamen ihre Mitglieder und zu unterschiedlich waren oft die Interessen, der Einzelnen. Paulus musste sie in seinen Briefen oft daran erinnern, dass sie alle wie ein Teil des Leibes Christi existieren (Römer 12; 1. Korinther 12) und Gottes Geist sie verbindet.

In der Reformationszeit stellte sich die Frage der Einheit der Kirche erst mit dem immer größeren Erfolg der Anhänger Martin Luthers und dem Entstehen neuer Kirchtümer. Er selbst war nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit „seiner“ Kirche und ihren heftigen Angriffen gegen ihn zutiefst verletzt und müde und konnte in der Römischen (katholischen) Kirche nur noch die falsche Kirche erkennen. Mit dem Fortgang der theologischen Bestimmungen und Auseinandersetzungen und angesichts der sehr unterschiedlichen Entwicklungen der verschiedenen Kirchen begannen offene Definitionen der Kirche wichtig zu werden, wie etwa die durch Johannes Calvin: verbunden in Christus, im Glauben und in der Eintracht.

Was diese theologisch bestimmte Einheit der Kirchen angeht, aber auch die der unterschiedlichen Kirchenorganisationen haben sich in den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg an vielen Stellen Veränderungen und Annäherungen ergeben, angefangen von der Gründung des Ökumenischen Weltrates der Kirchen (ÖRK*) über die Leuenberger Kirchengemeinschaft zwischen lutherischen und reformierten Kirchen (GEKE*) bis hin zur Zusammenarbeit vieler Kirchen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, ACK*. Und natürlich sind dann die vielen ökumenischen Basisgruppen zu nennen, die vor Ort pragmatisch Einheit leben.

Für evangelische Kirchen, auch für die Gemeinden in Solingen, sind die unterschiedlichen Gestalten von Kirche nicht das wesentliche Problem. Sie leben selbstverständlich in dieser „versöhnten Verschiedenheit“ (ein Begriff aus der GEKE), getröstet durch das Wort Jesu (Johannes 14, 2): „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Und sie wissen: Die sichtbare Einheit aller wird Christus am Ende der Zeiten herstellen.

 

*evangelisch/uniert

2017 jährt sich zum 200. Mal die in Preußen 1817 gewissermaßen “von oben” durchgesetzte Vereinigung lutherischer und reformierter Gemeinden zur Evangelischen Kirche in Preußen, heute Union Evangelischer Kirchen mit Kirchen, die über das damalige Gebiet Preußen hinausgehen (etwa in Baden, der Pfalz oder in Hessen-Nassau). Auch die Evangelische Kirche im Rheinland gehört zu diesen unierten Kirchen und auch die Evangelische Kirche von Westfalen.

In der Regel nennen sich die zusammengeschlossenen Gemeinden heute „evangelisch“, einige erinnern im Namen noch an ihre konfessionelle Vergangenheit (ev.-lutherische und ev.-reformierte Gemeinden).

 

*ÖRK

1948 gründete sich in Amsterdam der Ökumenische Weltrat der Kirchen, der heute seinen Sitz in Genf hat und zu dem 349 Kirchen gehören: orthodoxe, zahlreiche anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen. Er ist der größte ökumenische Verbund mit etwa 500 Millionen Mitgliedern in seinen Mitgliedskirchen.Die römisch-katholische Kirche ist bis heute nicht Mitglied.

Website des ÖRK: http://www.oikoumene.org/de

 

*ACK

Ebenfalls 1948 wurde die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland gegründet, die eng mit dem ÖRK zusammenarbeitet. Mit Hilfe dieses Zusammenschlusses wollten die deutschen Kirchen ihre Stimme im ÖRK bündeln und verstärken. Viele orthodoxe und evangelische Kirchen sind ebenso Mitglied wie die römischkatholische Kirche und zahlreiche Freikirchen. Gerade auf regionaler Ebene gibt es inzwischen gute Kontakte und eine gute Zusammenarbeit, auch in der ACK Solingen.

Website der ACK: http://www.oekumene-ack.de/aktuell/

 

*GEKE

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirche in Europa ist aus der Leunberger Kirchengemeinschaft entstanden, in der seit 1973 lutherische und reformierte Kirchen sich gegenseitig anerkennen. Heute sind 94 lutherische, methodistische, reformierte und unierte Kirchen aus über dreißig Ländern Europas (und Südamerikas) Mitglied. Dazu gehört auch die Evangelische Kirche im Rheinland.

Die GEKE arbeitet an den theologische Grundlagen kirchlicher Gemeinschaft und wird immer stärker zur Stimme der evangelische Kirchen in Europa.

Website der GEKE: http://www.leuenberg.net/de

 

Auszüge aus dem Brief Johannes Calvins an Kardinal Sadolet biete die Website "Glaubensstimme – Das evangelische Archiv im Internet" http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:c:calvin:calvin-antwort_an_kardinal_sadolet

26.03.2017 Th. Förster/J. Schmidt/I. Werner